Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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auch in dieser Ausgabe knüpfen wir noch einmal an das Thema „Getrenntheit“ an – denn jedesmal, wenn wir nur schon von „Umwelt“ sprechen, verfestigen wir unsere „Verblendung dualistischen Denkens“, wie es Pyar in unserem Artikel „Umwelt-Bewusstsein“ nennt. „[…] ist eine der Wurzeln der Misere die Gewohnheit des Geistes, sich […] als Mensch als getrennt von der Natur zu bezeichnen und zu erleben […] Vielmehr sind wir als körperliche Wesen selbst Natur.“ Durch den Trugschluss dieser Wahrnehmung haben wir uns im Laufe der Evolution von der Naturverbundenheit hin zum höchstgradig gefährlichen Feind der Natur entwickelt, indem wir allein die Befriedigung unseres Komfort-Verlangens im Blick haben, ausbeuten, zerstören, vernichten. Da wundert es nicht, dass wir durch unsere tatsächliche Verbundenheit auch zum eigenen Feind geworden sind. Wir rauben den Sand an den Stränden und machen ihn zu Beton und künstlichen, heißen Wüsten in den Städten. Statt einfach nur eine andere, liebevollere Sichtweise und Haltung einzunehmen, verbinden wir ökologisches Verhalten mit Verzicht. Wir sollten erkennen, dass unser „Alles-haben-Wollen“ den größten Verzicht mit sich bringt: Der auf ein friedliches, gesundes Leben. Wir haben schon viel zu lange die Augen davor verschlossen, dass der Mensch die einzige Spezies ist, die nicht nur NICHTS zu dem Gesamtsystem beiträgt, sondern es schulterzuckend nun schon mehrere Jahrhunderte nur schröpft. Es ist Zeit: „Wenn es uns gelingt, in unserem Geist die Spaltung zwischen ICH und UMWELT aufzuheben, dann werden wir friedlich, und die Gier […] kann überwunden werden.“

Wir bauen hohe, ehrfurchtgebietende Kathedralen, in denen die Menschen „Gott“ näherkommen sollen, abgedeckt mit schweren Holz- oder Steindecken, die jegliche Verbindung verhindern … Schauen Sie doch einmal im Wald nach oben … DAS ist eine Kathedrale: die hohen Stämme der Bäume, die Kronen, die das Licht des Himmels und das Blau des Wassers in einem lebenssprühenden Grün vereinen, bewegt durch den Wind geben sie geheimnisvoll den Blick und die Verbindung „nach oben“ frei. Hier pulsiert das Lebendige, das Göttliche, die Natur – wir. Hier erscheinen unsere Probleme viel kleiner und handhabbar. Hier schlägt unser Leben im Einklang. Wir sind Natur!

Der Ethnobotaniker und Kulturanthropologe Dr. Wolf-Dieter Storl zeigt in „Wälder – die Quelle unseres Lebens“, was für eine grundlegende Wichtigkeit der Wald für uns hat: „[…] zunehmend entfernen wir uns immer weiter vom Duft der Blumen und des feuchten Humusbodens, dem Gesang der Vögel […] werden Bäume einer lebensentfremdeten Geisteshaltung geopfert. […] was die Alten schon lange wussten, nämlich dass die Wälder überlebenswichtig für uns sind.“ Auch geht er auf die Frage ein, was wir tun können: „Nichts anderes, als in unserer Mitte zu bleiben, im ruhenden Auge des Sturms.“ Innerlich. Was gar nicht so einfach ist. Allerdings zeigt uns Doris Iding, wie wir auch in stressigen, hilf- und kraftlosen Zeiten zentriert und klar bleiben oder werden können: „Raus aus dem Kopf – rein in den Körper!“ Ihre Übung „Drei Atemzüge in Achtsamkeit“ beruhigt schon, wenn man sie nur liest, und ist immer und leicht einsetzbar.

Wenn wir dem Projekt Mensch wirklich noch eine Chance geben wollen, müssen wir endlich erkennen, dass wir mit ALLEM nicht nur verbunden, sondern aufs Engste verwoben sind, dass wir endlich bei- statt abtragen müssen, dass wir nichts brauchen, alles haben. Das Paradies existiert nicht erst nach dem Tod, sondern genau hier und jetzt in Form eines wundervollen Planeten!

Ihr/Euer WEGWEISER-Team